
Oft begegne ich Menschen, die von dem Gefühl getrieben sind, nie genug zu sein. Und bisweilen beschleicht auch mich dieses Gefühl.
Es ist ein Drang in uns Menschen, uns und anderen zu beweisen, dass wir gut genug für das Leben sind. Wir wollen zeigen, dass wir damit eine Berechtigung haben, auf der Welt zu existieren. Andere fragen: Muss ich mir nicht erst einmal die Zuwendung und Liebe Gottes verdienen? Dieser Drang gut zu sein, ist vielen bekannt. Viele Menschen leider darunter nicht unerheblich.
Ein wichtiger Gedanke der Bibel stellt sich dem entgegen. Der Glaube erzählt, dass Gott die Menschen aus Liebe geschaffen hat. Er hat uns „sehr gut“ geschaffen, wie es am Ende des ersten Kapitels der Bibel heißt. Durch Jesus Christus ist diese nicht endende Liebe Gottes in einzigartiger bestätigt worden.
Du bist „sehr gut“, denn du bist von Gott geliebt. Das gilt für jeden Menschen. Jesus Christus hat die nicht endende Liebe Gottes zu allen Menschen mit seinem Tod am Kreuz bewiesen.
Wie können wir mit dieser Liebe in Kontakt kommen, sodass wir nicht mehr von dem Gefühl getrieben werden, nie genug zu sein? Manche Menschen besuchen am Sonntag einen Gottesdienst und nehmen am Abendmahl bzw. der Heiligen Messe teil. Andere suchen die persönliche Stille. Sie reden einfach mit Gott und danken ihm für seine Liebe. Oder sie schauen auf ein Kreuz und denken an Jesus.
Ich fokussiere mich bisweilen auf kurze Sätze aus der Bibel, wie z.B. diesen aus dem Ersten Johannesbrief: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm … Furcht ist nicht in der Liebe“.
Andreas Laengner, Pfarrer im Ruhestand
Foto: Sarah Busch