Entscheidungen der Landessynode haben Auswirkungen im Kirchenkreis Wied

  • 13.02.2026

Im Januar 2026 kam die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zu ihrer 80. Tagung in Bonn zusammen. Fünf Tage lang wurde intensiv beraten, debattiert, abgestimmt und gewählt. Unter den mehr als 180 Synodalen waren auch vier Abgeordnete des Kirchenkreises Wied.

Mit Spannung erwartet wurden die Entscheidungen zu den finanziellen Einsparungen. Im Februar 2025 hatte die Landessynode beschlossen, im landeskirchlichen Haushalt bis 2030 strukturell mindestens 33 Millionen Euro einzusparen. Auf der Tagung im Januar wurden Maßnahmen mit einer Nettoeinsparsumme von 30,7 Millionen Euro verabschiedet. Darüber hinaus besteht Potenzial für weitere Einsparungen und Mehreinnahmen durch Prüfaufträge und die Einführung freiwilliger Elternbeiträge in den Schulen. „Sparen macht keinen Spaß! Die beschlossenen Einsparmaßnahmen für den landeskirchlichen Haushalt sind schmerzhaft. Sie sind aber auch unvermeidlich, um kirchliches Arbeiten in der Zukunft noch gestalten zu können.“, so das Fazit von Superintendent Detlef Kowalski zu der Finanzdebatte.

Für den Kirchenkreis Wied von besonderer Bedeutung waren dabei die Entscheidungen zum Haus der Stille in Rengsdorf und zu den evangelischen Schulen.

Für das Haus der Stille hat die Landessynode den Vorschlag des Beirats aufgegriffen, einer Konzeptgruppe für die Entwicklung eines Finanzplans Zeit bis Anfang 2028 zu geben. Ziel ist, dass die Immobilie dann ab 2029 unabhängig von Kirchensteuermitteln weiterbetrieben werden kann. „Das ist eine gute Entscheidung, die dem Haus der Stille Luft verschafft, um eine tragfähige Lösung für den Weiterbetrieb in Rengsdorf zu finden“, so Uwe Selzer, Landessynodaler aus Neuwied.

Die Evangelische Kirche im Rheinland trägt zehn evangelische Schulen mit besonderem kirchlichen Bildungsauftrag. Eine davon ist das Martin-Butzer-Gymnasium in Dierdorf. Aufgrund sinkender Kirchensteuereinnahmen wird die Finanzierung in größerem Umfang auf kontinuierliche, freiwillige Elternbeiträge umgestellt. Ziel ist es, die langfristige Stabilität und Handlungsfähigkeit der Schulen zu sichern und ihre Finanzierung nachhaltig und zukunftsfest aufzustellen. Gleichzeitig gilt auch weiterhin: Niemand wird ausgeschlossen, weil Familien keinen Beitrag leisten können. Die Umsetzung ist ab dem Schuljahr 2027/28 geplant. Zugleich sind Investitionen zur Stärkung des evangelischen Profils sowie in die Gebäude vorgesehen.

Der Rückgang der Mitgliederzahl hat sich auch im letzten Jahr nicht verlangsamt. Der Kirchenkreis Wied hat in 2025 wieder mehr als 1.000 Mitglieder verloren. Die sinkenden Mitgliederzahlen wirken sich irgendwann auch auf die Pfarrstellenanteile aus, die einer Gemeinde zustehen. Nur noch wenige Gemeinden werden zukünftig volle Pfarrstellen haben. Um so begrüßenswerter ist es, dass die Landessynode flexiblere Modelle für die pastorale Versorgung der Gemeinden ermöglicht hat. Mit der Neufassung des Pfarrstellengesetzes wird es ermöglicht, dass im Rahmen einer gemeindlichen Pfarrstelle pastorale Dienste nicht nur für die Gemeinde erbracht werden, bei der die Pfarrstelle errichtet ist, sondern auch für andere kirchliche Körperschaften, in der Regel also Nachbargemeinden in derselben Region. Für Superintendent Detlef Kowalski bieten sich damit ganz neue Chancen für die verstärkte und engere Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und für eine regionale pastorale Versorgung.

 

Für Marita Klose, Landessynodale aus Dierdorf, sind die Impulse der AG Zukunft besonders wertvoll: Wir werden die Herausforderungen der Zukunft nicht schaffen, wenn wir nicht zu einer Haltungsänderung kommen. Wir müssen erprobungsfreudig sein, ausprobieren was geht, und was nicht geht, und dabei auch Scheitern und Fehler riskieren. Wir müssen um Sichtbarkeit ringen, mit der Schwerpunktfrage: Für was wollen wir als Kirche stehen?

„Damit sind wir, meiner Meinung nach, zu einer anderen Sichtweise gelangt: vom ‚Augen zu und durch – weiter so wie gewohnt‘, hin zu: welche Möglichkeiten haben wir, wieder Relevanz im Leben der Menschen zu bekommen“, so Marita Klose.

Weiterhin wurden u. a. die folgenden Themen auf der Synode behandelt: Es gibt eine neue Meldestelle für beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitende, die im kirchlichen Kontext rassistische Erfahrungen machen. Das kirchenleitende Gremium hat sich verpflichtet, die Bekämpfung von Armut voranzutreiben. Die Evangelische Kirche im Rheinland will das Verfahren für die Presbyteriumswahlen vereinfachen und sie damit attraktiver machen.

Pfarrer Jan-Hendrik Otto aus Rengsdorf zieht ein positives Fazit der Beratungen auf der Landessynode: „Vor uns als Kirche liegen große Veränderungen, und diese möchte ich aktiv mitgestalten. Dazu hat mir die Landessynode Mut gemacht. Diesen Schwung möchte ich mitnehmen in unseren Kirchenkreis und in meine Kirchengemeinde.“

Foto: Petra Stroh, Birnbach (für den Ev. Kirchenkreis Wied)
Auf dem Foto sind zu sehen: Marita Klose, Jan-Hendrik Otto, Detlef Kowalski und Uwe Selzer. Das Einverständnis aller Personen für das Foto liegt dem Ev. Kirchenkreis vor.

Stichwort Landessynode: Die Evangelische Kirche im Rheinland ist mit mehr als 2 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte der 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie erstreckt sich über Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und des Saarlands. Oberstes Beratungs- und Entscheidungsorgan ist die Landessynode. Sie tagt in der Regel einmal im Jahr, um über allen wichtigen Fragen zu beraten und zu entscheiden, die für die ganze Landeskirche relevant sind. Die Synode hat 184 stimmberechtigte Mitglieder.

Text: Uwe Selzer, Landessynodaler

  • Beatrix Meyer
  • Red