
Viele Menschen sind in unserem Land, im Familien- und Bekanntenkreis verunsichert über die zunehmende Spreizung, weniger Spaltung, in der Gesellschaft. Sie verlieren zunehmend ihre Hoffnung in die Zukunft und sehen immer weniger, dass es im Guten weitergeht. Wohin ist unsere Hoffnung entschwunden? Wenn wir hoffnungslos sind, befürchten wir, dass die Welt untergeht, meint eine Philosophin. Rufen wir uns die bekannten Hoffnungsbilder in Erinnerung, denen viele anhängen. Da gibt es vieles, was schon in der Vergangenheit unsere Hoffnung genährt hat. Viele Menschen stehen nach wie vor für eine offene, tolerante und gerechte Gesellschaft, in der jeder Mensch ohne Angst verschieden sein kann. Wir sind dabei geleitet von Gerechtigkeitsgeschichten der Bibel, aber auch den Suchbewegungen der Menschheitsgeschichte. Diese Geschichten sind sozusagen unser gemeinsames Menschheitserbe, weswegen wir uns nicht neutral verhalten können und wollen. Wir können es vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen nicht mehr ertragen, wenn Menschen ausgegrenzt, verachtet, verfolgt oder bedroht werden. Dennoch gilt: Kritik an denen, die diese Geschichten hintanstellen, sie relativieren, beginnt mit eigener Selbstkritik. Zeigen wir Verantwortung, wenn Andere diskriminiert werden oder Gewalt an ihnen ausgeübt wird? Sorgen wir dafür, dass Rassismus, Antijudaismus und antimuslimische Ressentiments auch in unserem Umfeld nicht geduldet werden? Diesen Fragen müssen wir uns stellen und dann immer wieder neu ungeduldig hoffen auf unsere Vision Frieden, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung, zum Wohl von uns und dem Nächsten neben uns.
Christoph Weidinger;
Ev. Kirchengemeinde Neuwied
Foto: Christoph Weidinger
